Beitrag im Radio Multikulti

Kribbeln im Bauch – statt Ehe unter Zwang, so heißt ein Wettbewerb des muslimischen Vereins Inssan und der startet heute. Worum es da genau geht, das sagt uns gleich Chaban Salih von Inssan.

„Schönen guten Morgen, Herr Chaban Salih“

„Guten Morgen“

„Wer kann denn an dem Wettbewerb teilnehmen und wie?“

„Teilnehmen an dem Wettbewerb „ISL’AMOUR“ kann eigentlich jeder. Wir suchen die schönsten Heiratsgeschichten von Muslimen. Da kann jeder mitmachen, kann seine eigene Geschichte einreichen, kann die von seinen Geschwistern, Eltern oder auch Freunden einreichen“

„Also in Form von einer geschriebenen Geschichte?“

„Genau, ja.“ – „Was wäre denn so eine Geschichte, haben Sie da mal ein Beispiel?“

„Ja. Das hat sich mittlerweile schon ganz schön rumgesprochen, dass wir diesen Wettbewerb machen. Und ich habe jetzt schon gehört von einer Geschichte, zum Beispiel, wie ein junges Paar sich gegenseitig kleine Briefe schreibt, die immer in einen Baumstamm versteckt, immer wieder holt einer den Brief ab, antwortet mit einem Zettel. Oder eine andere Geschichte: Ein junger Bräutigam hat seiner Verlobten oder Braut so viele Liebesbriefe und Gedichte geschrieben, dass er daraus eine Bettdecke gebastelt, genäht hat und ihr dann diese Bettdecke geschenkt hat.“

„Das ist ja wahre Poesie, hört sich fast nach Marquez an oder so was. Gewinnt denn dann, der mit der schönsten Geschichte? Es ist ja schwierig, da irgendwie einen Maßstab zu finden?“

„Ja, also uns interessieren natürlich die schönsten Geschichten, die romantischsten, aber auch wenn es irgendetwas Lustiges gibt, bei der Hochzeit oder in der Zeit vor der Hochzeit, irgendetwas Spannendes. Da sind wir ganz gespannt, was überhaupt kommen wird.“

„Es lohnt sich ja auch. Der Gewinner kann nach Venedig (Paris) reisen. Ich nehme mal an mit dem Liebsten oder der Liebsten. Das ist eine schöne Sache. Was versprechen Sie sich denn von dieser Aktion?“

„Der Hintergrund von dieser Aktion ist eigentlich, dass wir gesehen haben, dass diese grausamen Geschichten um Zwangsehen und Ehrenmorde, die wir hier in Berlin erlebt haben. Damit muss endlich Schluss sein. Wir hatten ja schon eine Postkartenaktion gemacht, wo wir das stark kritisiert haben und den Menschen zeigen wollten: Mensch, mit eurer Religion könnt ihr das auf gar keinen Fall legitimieren und eigentlich ist es auch sonst überhaupt nicht zu legitimieren. Aber wir wollten noch einen Schritt weitermachen und den Menschen positive Beispiele zeigen, vor allen Dingen jungen Muslimen auch zeigen: Mensch, es gibt auch ganz andere Wege in das Eheglück.“

„Also Sie meinen, dadurch dass man zeigt, es gibt eine romantische Art, kann man verhindern, dass zu Zwangsheiraten und Ähnlichen kommt?“

„Wir hoffen es natürlich. Vielleicht wachsen viele Familien, viele junge Menschen in dieser Tradition auf und denken, nur so ist es möglich in ihrer Tradition. Vielleicht übertragen sie es dann auch auf ihre Religion. Und da können wir dann eben auch den Horizont von diesen Menschen erweitern, dass es eben auch anders geht, dass es vollkommen ok ist, wenn man sich auf andere Weise kennen lernt, wenn man verliebt ist und so dann heiratet.“

„Bis zum 13. August können alle, die da mitmachen wollen, ihre Geschichte einschicken. Die Adresse von INSSAN bekommen sie, wenn sie bei uns anrufen. Unter der Nummer, die sie kennen: Berlin, 30 20 00 21 oder sie schauen einfach mal ins Internet unter: www.inssan.de. Inssan mit zwei „s“. Chaban Salih war das, vom Verein Inssan. Vielen Dank, Tschüss“

„Vielen Dank"

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