Aliph-Alef-Alpha: Trainings gegen Rassismus

Eindrücke vom ersten Wochenende:

„Viele unterschiedliche Menschen, Ideen, Erwartungen - ich bin ganz durcheinander und voll von Eindrücken, aber freu’ mich aufs nächste Mal.“ So oder ähnlich haben sich die meisten der Teilnehmer/innen nach dem ersten Wochenendseminar von „Aliph-Alef-Alpha“ gefühlt. 16 junge Erwachsene – dem Islam, Judentum, Christentum und der Bahai-Religion zugehörig oder durch sie geprägt – verbrachten drei Tage zusammen in der „Werkstatt der Kulturen“ in Neukölln. Unser Ziel war, einander kennen zu lernen und uns mit einem wichtigen, aber auch sensiblen Thema auseinanderzusetzen: Identität. „Frau, Student, Muslima, Kosmopolit, Deutsch, politische Aktivistin, Sohn, ...“ – auf den vielen bunten Zetteln, auf die wir geschrieben hatten, welchen Gruppen wir uns zugehörig fühlen, konnte man Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen. Und warum das Alles? Was hat das damit zu tun, in Schulen gegen Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit zu arbeiten? Die besondere Idee von „Aliph-Alef-Alpha“ ist, eine Gruppe zu werden, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennen gelernt, ausgesprochen und akzeptiert werden, und diese Erfahrung an Schüler/innen weiterzugeben. Dass das nicht einfach ist und nicht im Handumdrehen geschieht, ist selbstverständlich. „An unsere persönlichen Vorurteile sind wir noch gar nicht rangekommen!“ – „Ich kann und möchte gar nicht für die christliche Gemeinschaft sprechen!“ – „Uns fehlt die Street-Credibility, die wir brauchen, wenn wir in die Schulen gehen!“ lauteten Stimmen am letzten Tag. Neben diesen Wünschen für die weiteren Wochenendseminare nahmen wir alle aber auch noch etwas anderes mit nach Hause: Erinnerungen an einen besonderen Koranvers, die Fotografie eines Vaters, einen Plexiglaswürfel, eine rote Fahne im Winter, die Bahai-Schriften...jede/r von uns hatte einen Gegenstand mitgebracht, der für sie/ihn eine besondere religiöse oder weltanschauliche Bedeutung hat und dazu eine kleine Geschichte erzählt. Diese persönlichen Worte waren in Zeiten, in denen im Zusammenhang mit Religion so häufig nur noch Schlagworte, Verallgemeinerungen oder Mega-Begriffe wie Zivilisationen fallen, sehr besonders und kostbar und einer der Anfänge – Aliphs, Alefs, Alphas –, die an diesem Wochenende gemacht wurden.

Training gegen Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit Studien wie das Eurobarometer 2005 belegen, dass die Toleranz der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Minderheiten und die interkulturelle Gesellschaft abnimmt. Die Zunahme des Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft und u.a. auch unter Jugendlichen mit muslimischen Hintergrund ist genau so alarmierend wie die zunehmenden stereotypisierenden und dämonisierenden Einstellungen gegenüber Muslima und Muslimen. Zwischen Islamophobie und Antisemitismus gibt es sehr große Unterschiede: Kein geschichtliches Ereignis ist auch nur annähernd mit den Schrecken der Nazi-Zeit und den Leiden der Juden vergleichbar. In der Gegenwart wiederum sind v.a. muslimische Frauen durch ihr Kopftuch äußerlich zu erkennen und damit Ziel von Diskriminierungen. Trotz aller Unterschiede handelt es sich bei beiden Phänomenen um verschiedene Formen von Rassismus und `gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit´ (Heitmeyer). Der wachsende Einfluss dieser Ideologien der Minderwertigkeit bestimmter Gruppen vor allem in Zeiten mit schwerwiegenden internationalen Konflikten, bedrohen den Zusammenhalt der interkulturellen und interreligiösen europäischen Demokratien. In dem Alif-Aleph-Alpha – Training wird eine Gruppe junger Erwachsener (18 – 30 Jahren) im Rahmen von zwei Wochenendseminaren zum interkulturellen Schul- Mentor ausgebildet. Neben dem Trainingsprogramm besteht ein wichtiger Teil der Ausbildung im gemeinsamen, bzw. voneinander Lernen in einer religiös und ethnisch gemischten Gruppe. Die Ausbildungsgruppe wird darum aus jungen Erwachsenen mit muslimischem, jüdischem und christlichem Hintergrund bestehen. Die ausgebildeten interkulturellen Schulmentoren werden dann im ersten Halbjahr 2007 in kleinen religiös und weltanschaulich gemischten Teams an Berliner Schulen Workshops zum Thema: Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit durchführen.

Training gegen Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit

Das Training besteht aus drei Modulen, die jeweils an einem Wochenende von Freitag 17 Uhr bis Sonntag 15 Uhr stattfinden. Das 3. Wochenende findet mit Übernachtung im Helmut-Gollwitzer-Haus, einer Bildungsstätte der Evangelischen Jugend statt.

Modul 1: Interkulturell-interreligiöses Kennenlernen und Diversity und Dialogkompetenz; 10.- 12. November 2006; Werkstatt der Kulturen, Berlin-Neukölln

Modul 2: Diskriminierung und Religion: Antisemitismus und Islamophobie 8.-10. Dezember 2006 Ort: Helmut Gollwitzer Haus, Wünsdorf (mit Übernachtung)

Modul 3: Methoden für Bildungsbausteine gegen antisemtische und islamophobe Vorurteile


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